Mittwoch, 7. September 2011

Die kälteste Ecke in Californien

Anlässlich meiner diesjährigen GAIN-Tagung in San Francisco haben wir beschlossen einen Kurzurlaub anzuhängen. Ich bin am Donnerstag losgeflogen, damit ich ab Freitag Mittag mit anderen deutschen Postdoktoranden unterschiedlichster Fachrichtungen sowie deutschen Politikern und Wissenschaftlern über Möglichkeiten zur Rückkehr nach Deutschland sprechen konnte.
Um meine Freizeit in San Francisco gut zu nutzen, habe ich mich Freitag morgen zum Frühstück mit einem Cable Car auf der Powell-Hyde Line auf den Weg zum Pazifik gemacht. Unser Hotel war direkt am Drehteller der Linie (Ecke Market street und Fourth street) in der Nähe vom Union Square. Nach der Berg- und Talfahrt habe ich endlich die Golden Gate Bridge in der Ferne im Nebel sehen können. Am Chiradelli Square habe ich mir dann ein Schokoladen-Croissant gekauft, an der Fisherman’s Wharf einen Chai-Tea bei Starbucks, um mich dann am Pier 39 niederzulassen und im Sonnenschein den Seelöwen zu zu schauen. Wie jede andere Stadt ist San Francisco von seinen bekannten und auch wirklich schönen Sehenwürdigkeiten geprägt – nichts desto trotz sind alle Ketten-Restaurants und –Cafes vertreten. Da weiss man wenigstens, was man bekommt.
Nach meinem Frühstück bin ich zurück zum Hotel gefahren, um mich für die Konferenz fertig zu machen. In der Nacht ist dann auch Christian mit etwas Verspätung angekommen.
Christian hat sich Samstags tagsüber San Francisco angeschaut und abends sind wir zusammen Sushi-Essen (veg. California Rolls natürlich) gegangen. Erst ist Christian zu Fuß durch Chinatown gestreift, um dann bei Fisherman’s Wharf anzukommen. Nachmittags ist er mit dem Cable Car gefahren. Dabei hat er festgestellt, dass man nicht während der Fahrt aufspringen darf wie in den Filmen so oft gezeigt. Und man muss einiges an Geduld mitbringen, da an den Endstationen Touristen für mindestens drei Cars anstehen.

Sonntag, September 4th:
Sonntag morgen ist Christian auf Anraten von Marina zur Mission Dolores gefahren, um seinen Morning Burrito zu Essen.
Nachdem die Stadt ziemlich nebelverhangen war, sind wir nach Konferenzende am Mittag auch gleich aufgebrochen, um uns einen Mietwagen zu holen und dann in den Süden zu fahren. Auf dem Weg haben wir in einem Whole Foods Market (Bio-Supermarkt) angehalten. Wir wussten bereits, dass die USA-weite Kette aus Californien stammt. Der Laden war riesig. Es ist nicht so, dass wir in Madison einen kleinen Laden hätten, aber in den Laden in Cupertino, CA, past unserer 3 mal rein. Die Obst- und Gemüseecke war zum einen größer, hatte aber nicht nur geschnippeltes Obst und Gemüse zum Dippen, sondern auch im Laden vorbereitete Gemüsepfannen-Mixe, Gemüsespieße zum Grillen und offene Ware zum Zusammenstellen von Knabbermixen (Gemüse!) nach eigenem Gusto. Von der Nuss-, Körner- und Samenauswahl sprech ich da noch gar nicht! Auch im Deli-Bereich war deutlich mehr geboten. Neben Salaten und anderen kalten Gerichten zum Aufwuarmen, konnte man hier auch noch Pizza, Sandwiches und Burritos wie im Food Court der Malls bestellen.
Nach der Kasse waren zwei Essbereiche angelegt, wo man die eben gekauften Speisen direkt essen. Das haben die Bio-Supermärkte in Madison auch. Hier konnte man sich das Essen aber warm machen, hatte einen Wasserautomaten und Condiments (Ketchup, Senf, etc.). Wir haben dort ein Käse-Knoblauch-Ciabatta mit Käse, Oliven und gegrilltem Knoblauch gegessen und als Nachtisch aus der Bakery gab es ein Schoko-Vanille-Frucht- und ein Blueberry-Mandel-Törtchen. Yummy!
Am frühen Abend sind wir dann in Monterey Bay angekommen und mussten feststellen, dass durch das Laborday-Wochenende alle Hotels und B&Bs ausgebucht waren. Mittels iPhone haben wir dann ein Motel im 20 km entfernten Salinas gefunden. Das war auch eine glückliche Fügung, den sonst wären wir wahrscheinlich nie in die Salat-Hauptstadt der USA – Salinas – gekommen. Hier wird 80% des amerikanischen Salats angebaut…und das dreimal im Jahr. Da wir aber bereits in Carmel-by-the-Sea waren, um nach Übernachtungsmöglichkeiten zu suchen, haben wir erst einmal ein Abendessen mit Blick auf den Pazifik genossen. Nur kurz nach dem wir uns gesetzt haben, ist allerdings der abendliche Nebel in die Bucht gezogen und wir konnten uns ganz aufs Essen konzentrieren.

Montag, September 5th:
Am nächsten Tag beim Frühstück haben wir dann gelernt, dass der sogenannte “maritime layer” (Nebel) in den frühen Morgenstunden aufzieht und die ganze Küste bedeckt. Wenn es gut läuft, löst sich der Nebel am frühen Nachmittag dann auf (“is burned away”) und man hat einen herrlichen Blick aufs Meer und die Buchten entlang der Küste. Am Abend, spätestens aber in den Morgenstunden beginnt das Spiel von vorne. Vor Monterey Bay im Pazifik ist der Blue Grand Canyon, der so tief (2 Meilen) und so lang (60 Meilen) ist wie der Grand Canyon. Dadurch ist das Wasser immer kühl und es weht eine kalte Brise.  Trotz Sonne ist es durch den kalten Wind vom Meer nie wärmer als 20-25˚C. Am frühen Morgen ist es überall kühl bei um die 15-20˚C. Mit der aufgehenden Sonne wird das Tal zwischen den Lucia und Gabilan Mountains aufgewärmt. Die Wärme vertreibt den nebel und die Temperaturen beginnen vom Süden her anzusteigen. Die warme Luft steigt auf und führt zu einem Tiefdruckgebiet. Dadurch wird die kalte Luft vom Meer herangezogen, die sich durch das Tal schlängelt. Während der Wind aber landeinwärts weht, wärmt er sich schnell auf: 2˚C pro 15 km. Der Effekt wird "Thermal Rainbow" genannt. Hierdurch ist die Gegend eine ideale Weinlage. Während in Küstennähe Sorten wachsen, die kühleres Klima benötigen, wachsen nur wenige Meilen weiter Sorten in wärmerem Klima.Wir hatten jedenfalls Glück.
Als wir am Montag morgen in Salinas bei schönstem Sonnenschein gestartet sind, war der Nebel schon verzogen bis wir an der Küste angekommen sind. Dann haben wir uns ein Hotel gesucht und die erste Tour gemacht: den 17 Mile Drive. Auf der ersten Hälfte sind wir durch Pinienwälder gefahren, die immer mal wieder den Blick auf eine Villa ode rein Hotel mit Golfplatz freigegeben haben. Die Übernachtung kostet hier im $500-Bereich. Der zweite Teil ging an der Küste entlang und machte sofort sichtbar, warum die Häfen in dieser Bay früher so schwer anzufahren war. Während die Sicht im Nebel schon schwer ist, liegen vor den Klippen noch große Felsen im Meer, die zum Teil auch bei Ebbe nicht zu sehen sind. Daher sind hier früher viele Schiffe aufgelaufen. Die Natur bietet hier aber ein ganz tolles Schauspiel: Neben steilen Klippen und Ausläufern, die ins Meer ragen, über Felsen, an denen sich die Brandung bricht, bis hin zu herrlich bunten Bodendeckern in Rot- und Gelbtönen. Ein paar Meilen weiter im Süden kommt “Bird Rock”, auf dem sich sowohl Möwen als auch Seelöwen niederlassen.
Die Seelöwen sonnen sich entweder auf den Felsen oder planschen im Wasser. An der Küste kann man die majestätischen Tiere ein bisschen ausmachen, vor allem aber hören. Durch die installierten Fernrohre, kann man sie aber ganz hervorragend erkennen.
Nach den schönen Natureindrücken sind wir zum verspäteten Mittagessen nach Carmel. Dort sind wir dann auch noch durch die Geschäfte auf der Ocean Avenue gebummelt. Das hat uns sehr an Door County erinnert, da e shier auch viele kleine Känstlerläden, Delikatessengeschuafte und überwiegend geschmackvolle Souvenierläden gab. Von hier aus sind wir wiederum ein kleines Stück weiter in den Süden zum Point Lobos State Park gefahren. Hier sind wir die ganze Zeit an den Klippen entlang gelaufen; erst durch einen Pinienwald und dann auf einen großen Felsvorsprung. Dabei haben wir mehrere Rehe sehen können. Leider ist un shier die Zeit davon galaufen und wir mussten zusehen, dass wir aus dem Park gekommen sind bevor er geschlossen hat. Dann sind wir nach Monterey zurück, um in Cannery Row zu Abend zu Essen. Cannery Row waren Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Fabrikgebäude direkt am Hafen , in denen Sardinen in Dosen eingemacht wurden. Die Fabriken wurden zum Großteil von japanischen und chinesischen Einwanderern betrieben und wuchsen durch den steigenden Bedarf zu Kriegszeiten sehr schnell. Dadurch wurde Monterey Bay allerdings leer gefischt, so dass die Fabriken in den 1950ern alle geschlossen werden mussten. Heutzutage sind Souvenierläden und Restaurants für Touristen in den alten Gebäuden untergebracht. Zu Abendgegessen haben wir in der Cannery Row Brewing Company, wo wir uns mal wieder Burger mit Fries und Bier gegönnt haben. Die restliche Zeit war mehr asiatisch angehaucht.

Dienstag, September 6th:
Am nächsten Tag sind wir am Morgen ins Aquarium, um die nebeligen Morgenstunden ideal zu nutzen. Alexandra hatte mir davon schon vorgeschwuarmt und wir wurden wirklich nicht enttäuscht. Neben Ottern und jeder menge exotischer Fische, haben wir auch einen Hammerhai, weiße Haie und unterschiedlichste Quallen gesehen. Wir konnten live zuschauen, wie ein Makrelenschwarm einem Räuber ausweicht und wie “Nemo” durch die Gegend flitzt. Als wir durch das Museum durch waren, ist die Sonne rausgekommen, so dass wir uns auf den Weg zu unserem zweiten Ziel machen konnten: Highway 1, wobei hier der Weg wohl wirklich mehr das Ziel ist!
Wir haben mehrmals an der Straße angehalten und sind auf mehr oder weniger gut ausgebauten Wegen zum Strand hinunter gelaufen oder geklettert. Der Ausblick und die Musik der Brandung haben sich jedesmal gelohnt!
Die kleinen Buchten mit Sandstrand waren um diese Zeit schon kaum von Touristen besucht, so dass wir dort meist kaum andere Leute angetroffen haben. Das Meer war oft türkisblau mit den weißen Schaumkronen der brechenden brandung an den vielen Felsen, die ins Meer ragen.
Von der Straße aus sieht man ständig diese Buchten und die farbenprächtigen Blumenbetten am Straßenrand. Es sieht genau so aus, wie in den Autowerbungen, in denen Cabrios oder Limousinen an Steilküste entlang fahren…weil sie auch hier gedreht werden – am schönsten Highway der Welt!
Unsere Brotzeit haben wir in einem Redwood Wald im Pfeiffer Big Sur State Park gemacht. Als Highlight angepriesen, haben wir auch den McWay Cove  Wasserfall im Julia Pfeiffer Burns State Park besucht. Seit zwei Jahren kann man ihn nur noch von oben besichtigen. Das war zwar ein sehr schöner Ausblick, aber auch recht gut besucht. Soviele Mit-Touristen waren wir schon gar nicht mehr gewohnt. Von hier aus wollten wir eigentlich noch durch die Weinberge im Carmel Valley fahren.
Durch die Wahl einer vermeintlichen Abkürzung, haben wir eine schöne Aussicht auf einem Bergkamm entlang der Lucia Mountain Range genossen, haben aber unser Auto ganz schön eingestaubt und den richtigen Weg nicht gefunden, so dass wir auf den Highway 1 zurück und zum Abendessen gefahren sind. Dadurch haben wir noch einen wunderschönen Sonnenuntergang am Highway 1 erleben können.
Zum Abendessen haben wir uns die Geschäfte auf Fisherman’s Wharf angesehen und wieder mit Blick auf die Bucht gegessen.


Mittwoch, September 7th:
Nach einem kurzen Snack im Hotel, haben wir die Rückreise nach San Francisco angetreten. Wir wollten noch ein bisschen Obst für die Fahrt einkaufen und sind deswegen am “historic” Highway 1 in den Norden gefahren. Zu beiden Seiten waren riesige Salat-, Artischocken- und Erdbeerfelder. An einem Straßenstand haben wir angehalten und frische Erdbeeren gekauft. Nachdem ich die riesigen, frischen und überaus günstigen Artischocken gesehen habe (hier werden auch die Artischocken für die ganze Welt angebaut!), musste ich einfach zuschlagen und dann war die uUberwindung noch ein paar Avocados mitzunehmen, nicht mehr so groß. Die zwei Sachen gibt es zu Hause, die Erdbeeren haben wir aber gleich verputzt: sehr saftig und süß!
In Capitola haben wir dann noch für eine ausgiebiges Frühstück in einem kleinen Strandcafe angehalten, bevor wir noch die letzte Strecke bis zum Flughafen zurückgelegt haben. Beim Einchecken habe ich tatsächlich noch meinen Geldbeutel liegen lassen, aber Gott-sei-Dank rechtzeitig gemerkt, um ihn vor der Passkontrolle wieder zu bekommen. Nun sitzen wir im Flieger und landen gleich in Chicago. Wir sind diesmal pünktlich, so dass wir den Flug nach Madison gut erreichen können. Wir bekommen gleich 2 Stunden geklaut…das ist aber nicht schlimm, da wir nach einem solchen Reisetag sicher gut schlafen werden…und wenn nicht, machen wir Meeresrauschen an und Träumen von unserer bevorstehenden Hawaii-Reise!

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