Der Indian Summer hat wieder Einzug gehalten. Da dieses Jahr viele Stürme bzw. starker Wind vorhergesagt war, mussten wir uns beeilen, die Farben noch in voller Pracht zu sehen.
Daher sind wir wieder nach Prairie du Chien, WI, an den Mississippi gefahren und haben ein Bootstour mitgemacht.
Glücklicherweise hat das Boot diesmal eine andere Route mehr flußabwärts genommen, so dass wir neben den Farben auch noch einen anderen Abschnitt des Mississippi sehen konnten.

Highlight waren natürlich auch diesmal wieder die Bald Eagle, die über den Wipfeln gekreist sind und Christian hat mit seinen Adleraugen auch einen Eagle erspäht, der zum Fische fangen in den Fluß abgetaucht ist. Außerdem gab es Bieberdämme und Schildkröten beim Sonnen zu bestaunen.
Am interessantesten fand ich aber, was wir von einem Naturalisten über die Färbung der Blätter erfahren haben. Uns war aufgefallen, dass die Wisconsin-Seite des Mississippi gelb-golden gefärbt war und die Iowa-Seite mehr orange-rost-rot. So wie man sich den Indian Summer typischerweise vorstellt.
Zwei Faktoren beeinflußen den Farbwechsel im Winter: die Farbpigmente und die Länge der Nacht. Wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden, beginnen biochemische Vorgänge die Blätter zu färben. Die wichtigen Farbpigmente sind:
- Chlorophyll: gibt den Blättern ihre grüne Farbe und ist verantwortlich für die Photosynthese. Bei diesem Prozess stellt die Pflanze mit Hilfe von Sonnenlicht Zucker her, die ihr als Kraftstoff dient. Die Bäume speichern diese Zucker auch für die kargeren Wintermonate.
- Karotenoide: führen zu Gelb-, Orange- und Brauntönen in Pflanzen wie Mais, Karotten oder Bananen.
- Anthozyan oder Blattblau: ist der Farbstoff für Früchte wie rote Äpfel, blaue Traubven, Heidelbeeren, Kirschen, Erdbeeren und Pflaumen. Dieser Farbstoff ist wasserlöslich und kommt daher im Zellwasser der Blätter vor.
Sowohl Chlorophyll als auch Karotenoide sind während der Wachstumsphase immer in den Blättern vorhanden. Das meiste Blattblau wird im Herbst hergestellt, da die Tage sehr hell sind und ein Zuckerüberschuß in den Blättern vorhanden ist.
Während der Wachstumszeit wird Chlorophyll ständig auf- und abgebaut, so dass die Blätter grün erscheinen. Wenn die Nächte länger werden, verlangsamt sich die Chlorophyll-Produktion bis sie komplett zum Erliegen kommt. Sobald kein Chlorophyll mehr vorhanden ist, kommen die Karotenoide und das Blattblau endlich zur Geltung.
Abhängig vom Zuckergehalt haben alle Bäume eine chrakteristische Farbe. Eichen werden rot, braun oder rotbraun, Hickories goldbronze, Espen gelb, Hartriegel purpurrot und Buche hellgelb. Ahorn färben sich je nach Sorte: roter Ahorn wird scharlachrot, Zuckerahorn orangerot und schwarzer Ahorn goldgelb.
Der Zeitpunkt des Farbwechsels ist auch von Baumsorte zu Baumsorte unterschiedlich, weil sie auf das fehlende Sonnenlicht früher oder später reagieren. Die Unterschiede zwischen Wisconsin und Iowa liegen daher vor allem am Baumbestand!
Auf dem Rückweg nach Madison haben wir noch einen kleinen Umweg nach Richland Center gemacht um uns die Natural Bridge anzusehen. Das war ein Geheimtip, weil Christian hier schon auf einer Bautselle war...und definitiv den Umweg wert!