Sonntag, 26. Juni 2011

640 Meilen bis Graceland

Ein Punkt auf unserer Liste ist es, den Mississippi entlang seines Verlaufs an mehreren Stellen zu sehen. Diese Wochenende stand Memphis auf dem Plan - die Stadt des Blues und Geburtsstätte des Rock 'n Roll.
Am Donnerstag Abend ging die Reise los, mit der Hoffnung unser erstes Etappenziel, St. Louis, noch in der Nacht nach 5,5 Stunden Fahrt zu erreichen. Das hat auch geklappt, so dass wir gleich am morgen die Stadt erkunden konnten. Unser erstes Ziel war der Mississippi und ein National Monument, das an dessen Ufer steht: der Gateway Arch.
Der Bogen ist 192 Meter hoch und soll das Tor zum Westen symbolisieren, dass die Siedler in St. Louis sahen. Von hier brachen die Fellhändler auf dem Mississippi und den damit verbundenen Flüssen auf, um mit den Indianern Geschäfte zu machen und später haben über diese Wege die ersten Siedler begonnen, ihre Reise zu den neuen Gebieten anzutreten.
Als das Zeitalter des Schienenverkehrs begann, hatte Chicago kurzzeitig die Oberhand. Aus diesem Grund beeilte man sich in St. Louis eine Brücke zu bauen, die es Zügen erlaubte, den Mississippi zu überqueren.
Zu diesem Zweck wurde Anfang des 20. Jahrhunderts ein Bahnhof geplant, der den Strömen von Siedlern standhalten konnte. In einem Architektenwettberwerb gewann Theodore C. Link mit seiner Idee, die Union Station wie die Burg von Carcassone in Südfrankreich zu gestalten. 1894 öffnete der Bahnhof seine Tore. Der Bau ist geprägt von romanischen Bögen. In der großen Eingangshalle im ersten Stock befindet sich mittlerweile die Lobby des Marriott Hotels. Dort ist ein zentraler Punkt ein allegorisches Fenster, auf dem von links nach rechts San Francisco, St. Louis und New York in Frauengestalt dargestellt sind. Die beiden äußeren Frauen blicken eifersüchtig auf die dominierende St. Louis in der Mitte. Anfang der 1940er erreichte der Bahnhof seinen Höhepunkt als hier täglich 100.000 Passagiere passierten. Nachdem aber andere Fortbewegungsmittel in Mode kamen und in den 1960ern nur 14 Züge am Tag St. Louis passierten, wurde der Bahnhof geschlossen und zur Mall umfunktioniert.

Nachdem wir im Courthouse noch etwas mehr über die Besiedelung im Westen und die Geschichte der Sklaven in der Gegend gelernt hatten, haben wir uns in einen Vorort aufgemacht.
Dort haben wir uns eine Kathedrale angeschaut, die in den 1990er Jahren von Johannes Paul II. zur Basilika ernannt wurde. Die Kirche ist zwar nicht die größte katholische Kirche in USA (die haben wir ja schon in Sioux Falls gesehen), dafür aber die mit den meisten Mosaiken weltweit. Dazu wurden von 1912 bis 1986 Mosaike mit 41.500.000 Teilen in mehr als 8.000 Farben auf ca. 8.000 qm geschaffen. Das ganze Bauwerk ist mehr als beeindruckend und die Farbverläufe, Muster und Motive sind wunderschön. Jeder Bereich im Kirchenschiff steht unter einem anderen Motto und ist sowohl in lateinischer als auch englischer Sprache gestaltet. Das war schon sehr beeindruckend.
Mittlerweile war es schon fast 14 Uhr und wir hatten noch fast 5 Stunden Autofahrt bis Memphis vor uns. Auf der Fahrt haben wir uns einen kurzen Zwischenstop gegönnt und bei einem Straßenverkauf angehalten. Die hatten uns mit selbstgemachtem Eis gelockt, das zusammen mit den frischen Waffeltüten ganz hervorragend geschmeckt hat.
Gegen 19 Uhr sind wir dann in Memphis angekommen und gleich weiter in die Stadt zum Essen. Memphis ist bekannt für sein BBQ, das wir auch gleich genossen haben: bei B.B. King's mit live Bluesmusik.
Als wir aus dem Restaurant gegen 21 Uhr rausgekommen, haben wir nicht schlecht gestaunt. Während wir gegessen hatten, war die Straße, Beale Street, von der Polizei abgesperrt worden und zu einer Partymeile mutiert. In jeder Kneipe, Restaurant und an jeder Straßenecke haben Bands gespielt und Straßenverkäufe Bier ausgeschenkt. Hier ist es sogar möglich die alkoholischen Getränke auf der Straße zu trinken. Die Musik allein war die Reise schon wert!
Memphis ist ein Mekka für Musiker und hat viele Berühmtheiten hervorgebracht. Die berühmteste davon ist sicher Elvis Presley. Die Stadt gesehen und gespürt zu haben, lässt einen aber einiges an Songs besser verstehen. Mein aktuelles Lieblingslied ist im Moment "Walking in Memphis" von Marc Cohn:

Put on my blue suede shoeswie Elvis im gleichnamigen Song
And I boarded the plane
Touched down in the land of the Delta Blues
Delta Blues ist die ursprüngliche Art des Blues, die im Staat Mississippi bis in Memphis in Tennesse begründet wurde
In the middle of the pouring rainwenn es hier regnet, dann in Strömen
W.C. Handy, won't you look down over meder sogenannte Vater des Blues

Yeah I got a first class ticket
But I'm as blue as a boy can be
Then I'm walking in Memphis
Walking with my feet ten feet off of Beale
Beale ist die unter Musikern bekannte Party-Straße der Stadt
Walking in Memphis
But do I really feel the way I feel
Saw the ghost of Elvis
On Union Avenue
Followed him up to the gates of Graceland
Then I watched him walk right through
Elvis hat Graceland mit 22 Jahren gekauft und seine Eltern zu sich geholt; das Haus wurde bereits von den früheren Besitzern so genannt und Elvis hat den Namen übernommen
Now security they did not see him
They just hovered 'round his tomb
Nachdem auf dem öffentlichen Friedhof der Andrang zu groß wurde, hat Elvis' Vater das Grab seines Sohnes und seiner Frau nach Graceland verlegen lassen
But there's a pretty little thing
Waiting for the King
Down in the Jungle Room
Jedes Zimmer hat ein besonderes Motto; im jungle room ist alles mit Fellen, naturbelassenen Möbeln und "tropischen" Pflanzen eingerichtet; das Zimmer gehörte zu Elvis' Lieblingsräumen
They've got catfish on the tableNeben Lachs ist Catfish auf jeder Speisekarte von New Orleans bis St. Louis zu finden und wird meist in Backteig fritiert gegessen
They've got gospel in the air
And Reverend Green be glad to see you
Gospel ist eine der Hauptmusikrichtungen der Gegend aus denen auch - zusammen mit Blues - Rock 'n Roll entstanden ist; der Großteil der Bevölkerung in Memphis ist schwarz und katholisch
When you haven't got a prayer
But boy you've got a prayer in Memphis
Now Muriel plays piano
Every Friday at the Hollywood
In der ganzen Stadt kann man rund um die Uhr auch unter der Woche Live-Musik geniessen
And they brought me down to see her
And they asked me if I would
Do a little number
And I sang with all my might
And she said
"Tell me are you a Christian child?"
And I said "Ma'am I am tonight"
Beim Frühstück am Sonntag wurde in unserem Cafe um 9:45 Uhr die Musik ab- und die Gottesdienstübertragung eingeschaltet.
Put on my blue suede shoes
And I boarded the plane
Touched down in the land of the Delta Blues
In the middle of the pouring rain
Touched down in the land of the Delta Blues
In the middle of the pouring rain

Am nächsten Morgen sind wir nach üppigem Südstaatenfrühstück mit eggs and pancakes nach Graceland gefahren, um den einzigen König der USA unsere Ehre zu erweisen.
Mehr als 1000 Leute hatten die gleiche Idee, da Graceland aber auf Besucher eingestellt ist, war das kein Problem. Wir sind zuerst zur mansion gefahren und haben dort eine Audiotour durchs Haus und die Sammlung goldener Schallplatten und Filmrequisiten gemacht. Danach konnten wir noch einzelne Spezialtouren machen, um z.B. seine Autosammlung, Flugzeuge und Capes anzusehen. An jeder dieser Themenausstellung gab es einen Souvenirshop, der das Thema der Ausstellung ein bisschen aufgegriffen hat.
Nach mindestens drei Stunden waren wir durch uns satt gesehen, so dass wir uns wieder in die Stadt fahren ließen.
Dort stand als nächtes das Victorianische Viertel auf dem Programm. Hier sind noch einige wenige Häuser aus dem 19. Jahrhundert zu sehen, die alle im französichen Kolonialstil gebaut sind. Die Häuser waren zwar aus der Ferne richtig schick anzusehen, aber aus der Nähe war schnell klar, dass auch diese Gebäude unter der geringen Beschäftigungsquote der Stadt leiden müssen.
Nach einem kurzen Nachmittagskaffee im Madison-Hotel in der Madison Avenue - dem ältesten Hotelsder Stadt - war dann am Abend war dann endlich die Fahrt mit dem Schaufelraddampfer angesagt. Wir hatten eine Dinner-Cruise ausgewählt, damit wir den Mississippi im Sonnenuntergang erleben konnten. Auch hier war natürlich Livemusik geboten.
Die "Dampfer" fahren natürlich nicht mehr mit dem Schaufelradantrieb und stoßen auch keinen Dampf aus den Fake Schloten aus. Dafür ist der Flair aber unüberboten -besonders auch durch die Livemusik, die wir auch hier wieder genießen konnten.
Musik war wirklich an jeder Ecke - und noch dazu war sie gut. Das war wirklich Urlaubsfeeling pur, auch wenn es für uns nur ein Wochenendtrip war.
Am Sonntag morgen sind wir dannnach dem Frühstück los und mit kurzem Zwischenstop in St. Louis und Peru, IL, in 12 Stunden heimgefahren. Super Wochenende abseits der normalen Touristenpfade. In Memphis waren wir als Europäer noch Exoten!

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